Ausbildungsmarketing in der Praxis: Die Nacht der Bewerber der Volksbank Regensburg

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Es führen nicht nur alle Wege nach Rom, auch den potenziellen Azubi von morgen erreiche ich auf unterschiedlichsten Wegen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Internet, wie ich ja bereits an anderer Stelle ausgeführt habe (besonders erschreckend: Laut einer Umfrage der IHK nutzen nur 55 % der deutschen Unternehmen das Internet für Ausbildungsmarketing!!!). Auch die mobile Ansprache wird in naher Zukunft eine weitere Rolle spielen. Aber auch wenn die Bedeutung der Ansprache der Zielgruppe via Social Media im Ausbildungsmarketing weiter zunehmen wird, geht doch kein Weg am direkten Kontakt zu meiner Zielgruppe vorbei. Welches Mittel eignet sich besser, meine Mitarbeiter von morgen kennen zu lernen, wenn nicht das persönliche Gespräch und der persönliche Kontakt?

Ein beliebtes und zunehmend vor allem bei Banken eingesetztes Instrument der Bewerberansprache ist die „Nacht der Bewerber“, die in Deutschlands erstmals im Juni 2004 von der Festo AG veranstaltet wurde. Festo ist ja ohnehin in Sachen Ausbildungsmarketing sehr rührig und gilt ja auch wenn man so will als die Mutter der Ausbildungsblogs. Bereits 2007 etablierte Festo den ersten Ausbildungsblog, der nicht nur so heißt, sondern im Rahmen der Initiative Land der Ideen auch als Ort der Ideen ausgezeichnet wurde. Aber ich schweife mal wieder ab, hier soll es ja um die Nacht der Bewerber gehen.

Nacht der Bewerber

Was hat man sich unter einer Nacht der Bewerber vorzustellen? Nun, ganz grob in die Tüte gesprochen, ist so eine Nacht der Bewerber eine hippere Variante des Tages der offenen Tür. Nur eben nicht tagsüber, sondern eher in den Abendstunden. Und das Ganze flankiert von einem umfangreichen Programm, was von Bewerbungscoaching, Styling, Erstellen von Bewerberfotos, Cocktaillounge bis zu Gewinnspielen und Vielem mehr reichen kann. Das Ganze wird dann entweder nur von einem Unternehmen oder aber auch zunehmend im Verbund mit mehreren regionalen Unternehmen durchgeführt. Ich hatte vor einigen Tagen selber das Vergnügen, an einer solchen Nacht der Bewerber teilzunehmen. Und zwar weder als Azubi noch als Unternehmensvertreter, sondern als Referent, der im Dialog mit der Jugend dieser die Facebook-Privatsphäre näherbringen durfte. Und hoffentlich dafür gesorgt hat, dass so ein GAU, wie der von Thessa, nicht den Regensburger Schülern widerfährt.

Ich war also als Gastreferent bei der Volksbank Regensburg eingeladen, die dieses Jahr zum ersten (und wohl auch nicht zum letzten) Mal eine Nacht der Bewerber durchgeführt hat.

Wie für eine solche Bewerbernacht typisch, standen im Mittelpunkt der Veranstaltung das Angebot von freien Ausbildungsstellen nicht nur der Volksbank Regensburg, sondern weiterer Beteiligter wie z. B. der IHK, der Schreiner-Innung,  der AOK sowie diverser anderer Unternehmen. Natürlich wurden auch diverse Berufsbilder vorgestellt und Bewerbungstipps vermittelt. Hierbei waren verschiedenste regionale Unternehmen aus verschiedensten Branchen vertreten: Vom Bauunternehmen über das Hotelgewerbe bis hin zu Firmen aus dem Anlagenbau fanden sich viele örtliche Ausbilder, die das Gespräch mit Schülern und Schülerinnen suchten. Rund 18 Firmenkunden der Volksbank Regensburg waren dabei und insgesamt waren ca. 50 (!) Ausbildungsplätze zu vergeben. Nicht nur die Resonanz der Firmen war sehr positiv, da bei den Jugendlichen großes Interesse an Ausbildungsstellen regionaler Firmen bestand. Auch von den Jugendlichen selbst gab es viel positives Feedback, hatten diese doch die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre mit Geschäftsführern und Personalmitarbeitern zu sprechen und sich über sämtliche Ausbildungsberufe zu informieren.

 Facebook als Infoportal für Ausbildung & Beruf?

Besonders beliebt (insbesondere bei den Mädels ;-)) war das Styling bei einer Visagistin sowie die Möglichkeit, kostenlose Bewerbungsfotos erstellen zu lassen. Auch meine Vorträge über die Nutzung von Facebook und die Privatsphäre-Einstellungen kamen gut an. Hier hatte ich auch die Möglichkeit, mit den Jungs und Mädels über Facebook als potenzielle Quelle über Ausbildungsberufe und –betriebe zu reden und konnte mal nachhorchen, ob denn neben klassischen Plattformen wie der des Arbeitsamts oder planet-beruf.de auch andere, wie bspw. azubister, Azubiyo, aubi-plus, younect oder (die in meinen Augen wirklich geniale Website, sich in Wort und Bild über Ausbildungsberufe zu informieren) beroobi, bekannt sind.

Dreimal dürfen Sie raten, wie die Antworten ausfielen. Zwar waren von gut 60 Teilnehmern nur 3 nicht bei Facebook vertreten – wie es aber um die eigenen Privatsphäre-Einstellungen steht, war nicht wirklich jedem bewusst. Auch die Fragen der Anwesenden haben dies deutlich gezeigt.
Und dass es man sich via Facebook über so genannte Ausbildungs-Pages auf Facebook informieren kann, wusste nun wirklich keiner. Nicht wirklich überraschend, wissen doch bspw. auch nur wenige Studenten, dass es entsprechende Karriere-Pages gibt, auf denen sie sich über ihren potenziellen Arbeitgeber informieren können. Aber auch die Bekanntheit sonstiger Azubiportale lag unter den spontan Befragten bei Null. Ich hoffe aber, dass ich durch meinen Vortrag dieses Defizit ein wenig schmälern konnte, bieten diese Plattformen doch sowohl Jugendlichen als auch Unternehmen sehr gute Möglichkeiten, zusammenzukommen.

Die Bewerbernacht der Volksbank Regensburg – ein voller Erfolg

Nach Gesprächen mit Unternehmen und Personalern und den Vorträgen konnten in der gong fm Lounge die Kontakte zu anderen Bewerbern und Firmen bei Snacks, alkoholfreien Getränken und Musik weiter vertieft werden. Insbesondere die mit viel Liebe zubereiteten Cocktails waren sehr erfrischend und so gab es am Ende viele zufriedene Gesichter und das berechtigte Gefühl, seinem Wunsch-Job ein Stück näher gekommen zu sein. Insgesamt war die Bewerbernacht ein großer Erfolg, da es gelungen ist, vielen Jugendlichen den Weg zum ersten Gespräch mit Unternehmen zu vereinfachen.

Ich kann mich da nur anschließen, insbesondere die Gespräche mit den Jugendlichen zeigen aber eins ganz deutlich: Social Media für die Jobsuche oder für die Information über Ausbildungsberufe und -betriebe einzusetzen, ist bei der Jugend noch lange nicht angekommen. Der klassische Weg der Suche geht nach wie vor über Google oder übers Arbeitsamt. Und gerade Letzteres hinkt wohl bezüglich Know-how in Sachen Nutzung von Social Media und Online-Plattformen für die Ausbildungsplatzsuche stark hinterher. Aber auch Lehrern und Eltern müssen diese Medien näher gebracht werden. Insofern leiste ich mit meinem Blog gerne einen bescheidenen Beitrag :-)

Kleine Anekdote zum Schluss. Der Gewinner des iPads (ja, das gab’s auch!) war übrigens derjenige, der das Internet bisher kaum nutzte (O-Ton: „das bringt mir nichts, ich kann meine Freizeit sinnvoller gestalten“ ;-)) und einer von den Dreien, die noch nicht bei Facebook angemeldet waren. Das wird sich jetzt wohl ändern.

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