Rückblick auf die HR-Fachkonferenz Employer Branding 2.0, ein kurzer Rückblick auf Second Life und ein Jahr personalmarketing2null

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 8 Minuten.

Am vergangenen Donnerstag rief das Team von Personalinform zur Personalmarketing-Konferenz ins Swissotel nach Düsseldorf. Wobei das Hotel gar nicht in Düsseldorf liegt, sondern auf der anderen Rheinseite in der alten Römerstadt Neuss. In Neuss, der ältesten Stadt Deutschlands (!), wo bei Bauarbeiten immer wieder Fundstücke aus der Römerzeit gefunden werden und sich die Neusser an in die Länge gezogenen Bauarbeiten ergötzen, wie mir mein Taxifahrer erzählte, als wir gerade Zeuge wurden, wie die Dame, die sich in Neuss so für den Erhalt des römischen Kulturguts so vehement einsetzt, einen Baggerfahrer daran hinderte, seine Arbeiten fortzuführen, damit sie erst mal entsprechende Bilder von den möglichen Fundstücken schießen konnte.

Am vergangenen Donnerstag war aber noch ein anderer Termin: Am 24.03.2010, also exakt vor einem Jahr, ging mein zugegebenermaßen hin und wieder mal etwas spitzzüngiger Blog zu Personalmarketing, Employer Branding und Social Media an den Start. Und innerhalb kurzer Zeit hat sich mein Blog sehr gut in der deutschen HR-Blog Landschaft etabliert. Das alles wäre wohl nicht möglich gewesen, wenn ich nur den üblichen Mainstream geschrieben hätte und nicht hin und wieder in die „Suppe“ gespuckt hätte. Vor allem wäre es ohne einen entscheidenden Faktor definitiv nicht möglich gewesen, nämlich Sie, lieber Leser, liebe Leserin. Deswegen gilt mein Dank an dieser Stelle an meine treue Leserschaft! Und ich hoffe, dass ich mir Ihre Treue auch über viele weitere Jahre sichern werde ;-). Aber ich schweife schon wieder ab, kommen wir also zurück zur Konferenz.

Gut 40 Gäste waren angereist, davon sogar welche aus Österreich und aus den Niederlanden, um den Ausführungen von Lutz Altmann (Employer Branding 2.0 – Positionierung und Kommunikation der Arbeitgebermarke im Web 2.0), Alexandra Wilde von Medtronic (Facebook, kununu, iPad & Co. – Social Media Nutzung bei Medtronic), Thomas Siegner von cirquent (Employer Branding via Social Media – Make versus Fake), Joachim Diercks von Cyquest (Einsatz von Apps als (mobiles) Instrument des Employer Brandings), Jörg Wiesner von KarriereTrends.de (Die richtigen Bewerber erreichen – Nicht nur eine Frage des Budgets) und mir (Employer Branding & Personalmarketing auf Facebook & Co. – an der Zielgruppe vorbei?) zu lauschen. Gewürzt wurde die Vortragsmelange noch mit einer Diskussion zum Employer Branding in der Zukunft, wobei die Teilnahme des Publikums bis auf wenige Ausnahmen leider eher verhalten war. Was aber vielleicht auch daran liegen mag, dass es kein einheitliches Begriffsverständnis von Employer Branding gibt oder aber, dass der Begriff Employer Branding noch längst nicht bei allen angekommen ist (das ist meine Annahme – wie auch beim Thema Personalmarketing und Social Media, das längst noch nicht bei allen angekommen ist, aber der Eindruck entstanden ist, dass dem so ist, weil diejenigen, die tagein, tagaus darüber in ihrer eigenen Suppe schwimmen und sich in einer Art Mikrokosmos tummeln und darüber berichten. Aber Grund genug, das zu ändern und durch entsprechende Maßnahmen das Bewusstsein für diese Thematiken zu schärfen).

Ich will nun noch kurz auf die jeweiligen Vorträge eingehen und meinen in aller Ausführlichkeit darstellen. Kommen wir also zum Vortrag von Lutz, der zu Social Media Personalmarketing Stellung nahm, einige Definitionen, Zitate und Studienergebnisse präsentierte. Ein Faktor, warum so viele Personaler bisher den Kopf in den Sand stecken und Social Media ignorieren, führt er auf die Unsicherheit der Personaler zurück. Mit Sicherheit ein richtiger Aspekt, ja (aus diesem Grunde haben das Forum Institut und ich eine entsprechende Seminarreihe entwickelt, um eben diese Unsicherheiten auszuräumen und dem Personalmanagement wichtige Instrumente an die Hand zu geben und das Verständnis für die neue Kommunikationskultur zu schärfen). Ein ganz wesentlicher und absolut nicht zu unterschätzender Faktor ist aber auch die Unsicherheit bzw. Unkenntnis der potenziellen Kandidaten – doch dazu später mehr). Es folgten ein paar Beispiele aus der Praxis und Hinweise, wie Unternehmen Facebook erfolgreich oder aber auch weniger erfolgreich nutzen.

Weiter ging es mit Alexandra Wilde, ihres Zeichens verantwortlich für das Personalmarketing bei Medtronic, einem führenden Anbieter von Medizintechnik. Sie stellte den Einsatz von kununu, Facebook, die Nutzung von iPads, bspw. auf Messen, sowie die Employer Branding Kampagne und Microsite „Werde Medtronaut“ vor (hier gibt’s die vollständige Präsentation). Durch den Einsatz eines Unternehmensprofils bei kununu konnten die Aufrufe des Profils und die Anzahl der Bewertungen innerhalb kurzer Zeit von 5 auf 135 166 Bewertungen gesteigert werden. Und da diese allesamt sehr gut ausfallen, gibt’s das Top Company Siegel gleich on Top. Schöne Sache, ich bin gespannt, wie die Facebook-Page einschlägt, die in Kürze online geht und die Bewerber über Einstiegsmöglichkeiten bei Medtronic informiert. Wenn alles gut läuft, besteht durchaus die Möglichkeit, hier die Arbeitgeberattraktivität auszubauen (denn wie wir gelernt haben, kann ein professioneller Facebook-Auftritt die Arbeitgeberattraktivität steigern. Umgekehrt übrigens dem Image schaden, Beispiele dazu gibt’s dann in meinem Vortrag).

Nach einer ersten Kaffeepause ging’s dann weiter mit dem Vortrag von Thomas Siegner. In meinen Augen das absolute Highlight des Tages, schon allein die Ausstrahlung und die Art von Herrn Siegner, mit seinem trockenen Witz und seinem Sarkasmus die Leute zu begeistern, waren das Zuhören wert. Aber auch das Thema hatte es in sich. An dieser Stelle verweise ich auf den Beitrag im cirquent-Blog und kann nur empfehlen bei passender Gelegenheit einmal seinen Ausführungen zu lauschen. Schön auch der Rückblick auf das cirquent-Engagement in Second Life (ja, an die Zeiten kann ich mich auch noch erinnern… damals war ich für einen großen Medienkonzern am recherchieren, ob sich ein Engagement in Second Life fürs Employer Branding lohnen würde. Das waren schon komische Zeiten, sich da einen Avatar zuzulegen und sich durch virtuelle Welten teleportieren zu lassen. Mein Avatarname damals war Reginald Huldschinsky. Zu der Zeit hatte ich sogar ein Interview mit „Computer Sweden“, einem schwedischen IT-Magazin …) Frei nach dem Motto „user generated content“ zeigte Herr Siegner eindrucksvolle Beispiele, wie im Hause cirquent der Boss zum bloggen gebracht wurde (aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass das gar nicht so einfach ist und sich manche sich extrem schwer darin tun, es von den Mitarbeitern aber verlangen) und Mitarbeiter liebevolle Imagevideos erstellen. Und dass so etwas in der Tat nur dann so funktionieren kann, wenn sich die Mitarbeiter voll und ganz mit dem Unternehmen und der Marke identifizieren, liegt bei so etwas auf der Hand, oder?

Tja, und nach dem Vortrag von Herrn Siegner war dann Schluss mit lustig. Nach meinem Dank ans Publikum, dass es so zahlreich erschienen ist, den Geburtstag meines Blogs zu feieren, kam nämlich mein Beitrag. Und bevor ich jetzt anfange zu erzählen, was ich denn da so präsentiert habe, hier die Präsentation live und in Farbe. Vielleicht noch als kleine Anmerkung zum Titel. Der ist zweierlei zu verstehen:

  • Zum einen, ist die Zielgruppe überhaupt auf Facebook und nimmt sie das Angebot der Arbeitgeber überhaupt wahr oder sind alle Bemühungen für die Katz?
  • Zum anderen, wenn die Zielgruppe die Arbeitgeberbemühungen denn wahrnimmt – fühlt sie sich überhaupt angesprochen und ernst genommen – und werden Social Media wirklich dialogorientiert eingesetzt?

Nun aber zur Präsentation, die ich gerne auf Anfrage zur Verfügung stelle:

Ich freue mich sehr über das gute Feedback, welches ich bekommen habe. Und dass der Vortrag von mehreren Gästen sogar als Highlight genannt wurde, ist ein weiterer Grund zur Freude. Vielen Dank dafür!

Nach einem opulenten Mittagsmahl (mein Favorit, der Nachtisch: Schokoladenmousse mit echter roter Grütze, nicht dieser Chemiegrütze aus dem Osten :-), ein echter Traum) gab es dann eine Podiumsdiskussion (s. o.), gefolgt von einem interessanten Beitrag von Jo Diercks zur Entwicklung des Mobile Recruitings. Jo hat seinen Vortrag ebenfalls ins Netz gestellt, aber bevor jetzt alle auf seinen Blog klicken, stelle ich den Beitrag direkt hier online. Danke, Jo! ;-)

Den Abschluss eines interessanten Vortragtages bildete der Beitrag von Jörg Wiesner. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir seine Arbeigebervideo-Beispiele, die sehr deutlich den Unterschied zwischen authentisch (= echt!) und gekünstelt (und alles andere als authentisch) zeigen. Welche Auswirkungen solche Videos wohl auf das Arbeitgeberimage haben ;-)?

Make (die Mutter aller authentischen Employer Branding-Videos):

vs. Fake

in den Zusammenhang passt dann auch gut das missglückte Henkel-Zahnpastaunterwäschemodel-Video, welches ja schon ausgiebig auf dem Personalmarketingblog diskutiert wurde

Alles in allem ein sehr kurzweiliger Tag mit interessanten Beiträgen und netten Gesprächen in angenehmer Atmosphäre mit einem ganz klaren Resümée: Vor einem Engagement in Social Media müssen erst einmal die Hausaufgaben gemacht werden, sprich die Karriere-Website muss stimmen (in dieser Hinsicht berate ich gerne, im Vorfeld wird Ihre Karriere-Website einem umfangreichen Check mit umfangreichen Kriterienkatalog unterzogen, auf Wunsch sogar mit Eyetracking-Studie ;-)). Für mich war es fast ein Heimspiel, habe ich doch zum einen einen nicht unerheblichen Teil meiner Jugend das eine oder andere Mal in Neuss verbracht und stammen darüber hinaus die Organisatoren, der Moderator und Jörg Wiesner alle aus Halle, quasi meiner Zweitheimat, wo wir demnächst hoffentlich endlich die Wiedereröffnung des Weinkontors Castellum mit vielen tollen Weinen und Gästen feiern können. Bis dahin empfehle ich allene Weinfreunden noch einen edlen Tropfen aus Uruguay. Ich hatte das Glück, letzte Woche den Winzer höchstpersönlich (Daniel Pisanos Weine werden sogar von Prince Charles hochgelobt ;-)) und seine charmante Exportmanagerin kennen zu lernen. So, und aus diesem Grunde gönne ich mir jetzt ein schönes Glas Pisano Tannat RPF und wünsche allen meinen Lesern eine angenehme Woche!

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