Neues aus der Welt der Karriere-Fanpages und über ein gratis! Social Media Konzept

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 10 Minuten.

Eigentlich wollte ich heute mal auf vielfachen Wunsch einen Best-Practice Artikel schreiben. Aber aus gegebenem Anlass verschiebe ich das auf einen späteren Zeitpunkt. Das Thema „Employer Branding auf Facebook – an der Zielgruppe vorbei?“ habe ich ja schon das eine oder andere Mal an dieser und anderer Stelle thematisiert, aber da ich gerade eine hoch spannende Diplomarbeit gelesen habe (kann eine Diplomarbeit hoch spannend sein? Nun ja, nicht im Sinne eines hochkarätigen Thrillers vielleicht, aber schon von der Thematik. Und wenn es da um „die Wirkung von Karriereseiten im sozialen Netzwerk Facebook auf die Arbeitgeberattraktivität bei Hochschulstudenten“ geht, dann finde ich das eben hoch spannend) und ich mich zudem zum Thema im Rahmen der „HR-FACHKONFERENZ „Employer Branding 2.0 Aufbau und Pflege der Arbeitgebermarke im Web 2.0“ am 24.03.2011 live und in Farbe äußere, hier nun vor einem Best Practice Artikel mal noch mal was zu Arbeitgeber-Pages auf Facebook, von denen ich mittlerweile um die 100 zähle (die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher sein, diese Seiten sind aber aufgrund fehlender Verschlagwortung nur schwerlich zu finden). Als ich vor gut einem Jahr meine Studie zu Karriere-Fanpages veröffentlicht habe, war es mit 23 Seiten eine leicht überschaubare Zahl, die ich dort analysiert habe. Gerade in den letzten Monaten ist die Zahl jedoch nahezu explodiert.

Nun ist es ja so, dass es diverse „Literatur“ – diese überwiegend im Netz in Form von Blogbeiträgen – gibt, die sich ausführlich mit der Thematik beschäftigt. Allein ich habe in diesem Blog diverse Empfehlungen gegeben, was bei der Erstellung solch einer Präsenz zu beachten ist. Und dann gibt es da noch ein mehr oder weniger empfehlenswertes Buch. So. Und entweder wir bewegen uns wirklich in einem Mikrokosmos und das, was meine Bloggerkollegen und ich hier im Social Web von uns geben, wird wirklich nur von einer ganz geringen Masse wahrgenommen (davon gehe ich mal aus, ich vermute, dass mal gerade 10 % der deutschen Personaler schon mal was von Social Web im Kontext Personalmarketing/Employer Branding wahrgenommen haben und davon maximal 2 % wirklich bewusst ist, was ein Engagement im Social Web bedeutet – Robindro Ullah prägte in diesem Zusammenhang einmal den Begriff der Suppentheorie) oder diejenigen, denen man kostenlos Tipps gibt, wollen einfach nicht hören. Denn wie kann es sonst sein, dass nahezu aller der neu an den Start gegangenen Arbeitgeber-Pages solch offensichtliches Verbesserungspotenzial aufweisen?

Immer wieder hat man den Eindruck, dass ein Facebook-Engagement eher getreu dem Motto „Wir sind jetzt auch in Facebook“ erfolgt, als nach einer wenigstens ansatzweise vorhandenen Strategie. In dem Zusammenhang empfehle ich den Artikel „Erst denken, dann handeln“ von Sören Frickenschmidt und Michael Egner oder aber oben erwähnten Artikel „Freunde für die Firma – Recruiting via Facebook“ in manager seminare. Wie sonst ließe sich erklären, dass, obwohl es teilweise wahrlich große und bekannte Firmen sind, so wenig auf den Seiten passiert, nicht klar wird, welche Zielgruppe adressiert wird und warum der Dialog erst gar nicht zugelassen wird? Ein paar Beispiele gefällig? Bittesehr.

KPMG Careers Schweiz. Stand heute: 121 Fans
KPMG hat alleine in der Schweiz 1.600 Mitarbeiter. Zwar ist die Seite erst seit Anfang Februar online, nichtsdestotrotz sollte die Seite im Vorfeld schon eine kritische Masse an Fans (3) gewonnen haben, schließlich ist KPMG kein unbedeutender und auch in Augen Schweizer Studenten/Absolventen ein attraktiver Arbeitgeber. Auch wird die Facebook-Page auf der Karriere-Website prominent an verschiedenen Stellen verlinkt. Aber warum sollte man Fan der Seite werden? Dialog ist ja scheinbar nicht erwünscht (2) … ;-) Aber tummeln sich echte oder potenzielle KPMGler überhaupt auf Facebook?  Eine Frage, die man sich vor einem Engagement in Facebook & Co. vorab auf jeden Fall stellen sollte! Aber immerhin ist ja der Seitentitel gut gewählt. Anhand des Seitentitels (1) lässt sich zweifelsfrei erkennen, dass es sich um eine Karriere-Page handelt.Gut auch, dass sich der Seitentitel in der Vanity URL wiederfindet. An wen sich die Seite wendet, ist im Übrigen auch nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Auch wird man im Unklaren gelassen, wer denn eigentlich die Seite betreut und wer der direkte Ansprechpartner ist (es sei denn, man schaut sich das Kleingedruckte unter dem Punkt „Info“ an).

Karriere-Page von KPMG Schweiz

Karriere-Page von KPMG Schweiz

Gothaer Karriere. Stand heute: 92 Fans.
Auch die Gothaer ist als Arbeitgeber kein kleines Licht. Seit Mitte Januar online verfügt die Seite derzeit über 92 Fans (3). Nicht gerade viel. Könnte vielleicht auch daran liegen, dass die Facebook-Page nicht auf der Karriere-Website verlinkt wird. Auch wenn Quantität nichts über Qualität aussagt (wie ja auch das Potentialpark-Ranking eindrucksvoll wieder unter Beweis stellt), ist mit 92 Fans noch lange nicht die kritische Masse erreicht. Zwar ist die Ansprache auf der Gothaer-Seite wesentlich gelungener und „persönlicher“ als bspw. auf der KPMG-Seite, auch finden sich wesentlich mehr (aber gut verteilte und in einer Mischung von Statusmeldungen, Links, Fotos und Video) Posts auf der Seite, nichtsdestotrotz kann man von echtem Dialog nicht wirklich sprechen. Auch wenn Dialog im Gegensatz zur KPMG-Seite ausdrücklich erlaubt und erwünscht ist (1). Gut gefällt auch die Vorstellung von Christian Helm als Ansprechpartner der Seite (2), der auch noch als Seiteninhaber seinen Kopf hinhält. Vorbildlich auch die Wahl des Seitentitels „Gothaer Karriere“, der in der Vanity URL wiederholt wird. Etwas unglücklich allerdings die Anzahl der gewählten Tabs, zumal von den 14 (!) nur 8 auf den ersten Blick zu sehen sind. Auch hier gilt wieder: weniger ist oft mehr. Und dass es auch ohne eine Vielzahl von Tabs und ohne Apps geht, zeigt ja immer wieder eindrucksvoll die Page der DFS. (Als nicht nur von mir immer wieder genanntes abschreckendes Beispiel sei auch noch mal auf die Page von Unilever verwiesen. Als sei die Anzahl und der Mehrwert der bereitgestellten Apps nicht schon zu viel bzw. nicht vorhanden, folgt jetzt in Kürze auch noch ein integriertes Self Assessment. Und der Dialog? Eher Fehlanzeige).

Die Karriere-Page von Gothaer Karriere

Die Karriere-Page von Gothaer Karriere

Da Facebook (derzeit, man weiß nie, was sich bei Facebook von heute auf morgen ändern kann :-)) bei Aufruf eines Seitenprofils nicht mehr den Inhalt des Infotabs anzeigt, ist eine kurze Beschreibung dessen, was den User auf der Seite erwartet, auf jeden sinnvoll. Insbesondere, wenn es keinen Welcome-Tab gibt. Gut umgesetzt ist das bspw. auf der Karriere-Page der in-tech GmbH.

Waldner Karriere. Stand heute: 67 Fans.
Während KPMG und Gothaer nun in Augen von Absolventen wahrlich bekannte Arbeitgeber sind, so gehört Waldner mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht dazu. Es sei denn, man lebt im schönen Allgäu oder noch genauer, in Wangen. Ich habe Waldner als drittes Beispiel gewählt, weil ich es immer wieder spannend finde, wenn mittelständische Unternehmen den Schritt in Social Media wagen (gut, ich hätte sicherlich auch Bisnode, Lightwerk, Eismann, Clear IT, CAS  (interessant in diesem Zusammenhang im Übrigen die Vielzahl von IT-Unternehmen auf Facebook) oder irgend ein anderes der gerade neu auf Karriere-Fanpages auf Facebook aufgenommenen Unternehmen wählen können, habe mich aber eben für Waldner entschieden, weil ich gespannt bin, wie sich die Seite entwickeln wird). Auch Waldner hat den Namen der Seite und der URL naheliegend gewählt. Und die Seite entwickelt sich langsam, aber stetig (2). Allerdings hat das Unternehmen knapp 1000 Mitarbeiter, diese hätten sich im Vorfeld mit Sicherheit aktivieren lassen und auch im Vorfeld mit ins Boot nehmen lassen (das ist schon nicht unentscheidend für einen Erfolg im Social Web). Auch ist die Page nur von der Unternehmens-Homepage, nicht aber von der Karriere-Website, aufzufinden. Auch ist selbst in Wangen Facebook angekommen :-) und man freut sich, dass ein Arbeitgeber aus dem beschaulichen Allgäu den Weg ins Social Web gefunden hat. Dass man dies bekunden kann und der Dialog mit der Zielgruppe gewünscht ist, ist nicht selbstverständlich (s. o.) (2). Wer von der Page angesprochen werden soll, erschließt sich nicht auf den ersten Blick (Facebook sei aufgrund Ausblendung des Infotabs beim neuen Seitenlayout Dank – oder eben eher nicht). Dafür ist die Tonalität der Beiträge gut gewählt (3). Und nach einer Bombardierung mit Beiträgen zu Anfang (allleine 8 Beiträge gleich am ersten Tag), hat man nun ein gesundes Maß gefunden. Denn Vorsicht: Allzuhäufiges Posten wird u. U. als „Spam“ erfunden und führt dazu, dass sich die Fans entweder verabschieden oder aber die Beiträge ausblenden – was vom Effekt her aufs Gleiche herauskommt. Vorbildlich im Übrigen auch die Vorstellung des Teams, so weiß man gleich, mit wem man es zu tun hat (im Übrigen finde ich die Variante, wie sie das Allianz A-Team verwendet, gar nicht so schlimm. Hier werden die Seitenbetreiber anstatt der „echten“ Namen als fiktive Charaktere gewissermaßen als Allianz-Familie vorgestellt. Das ist zwar nicht authentisch (wobei authentisch nicht für nett, sondern für echt steht), bietet dennoch ggf. die Möglichkeit der direkten Kontaktaufnahme. Nachtrag: was mir allerdings nicht gefällt ist, dass hier der „Fan“ scheinbar für dumm verkauft wird. Denn auch wenn die Seite augenscheinlich von Allianz Azubis betrieben wird, steht doch leider eine PR-Agentur hinter dem Ganzen. Das ist nun wirklich gar nicht mehr authentisch und unprofessionell…).

Karriere-Page Waldner Karriere

Karriere-Page Waldner Karriere

Die weitere Entwicklung der Seiten bleibt also spannend. Gerade für mittelständische Unternehmen bietet Facebook viele Vorteile, als Arbeitgeber wahrgenommen zu werden und neue Zielgruppen zu erschließen. Allerdings sollte man im Vorfeld wissen, auf was man sich beim „Abenteuer Social Media“ einlässt und sich bewusst sein, dass das Vorhaben nicht unerhebliche Zeit- und Personalressourcen erfordert. Und spannende Beiträge (Wort, Bild, Video, Link), die Fans einen Mehrwert bieten und sie bei Laune halten. Und damit das Ganze ein rundes Bild gibt und zum Erfolg wird, sollte nicht nur HR das Thema Social Web ins Unternehmen tragen bzw. verantworten. Wichtiger ist vielmehr ein ganzheitlicher Ansatz.

Zwei Dinge möchte ich meinen Lesern darüber hinaus noch mit auf den Weg geben, Feststellungen, die ich selber schon getroffen und hier das eine oder andere Mal erwähnt habe, die nun aber auch noch einmal wissenschaftlich untermauert wurden:

  1. Die Inhalte der Facebook-Karriereseiten müssen für die Zielgruppe relevant, täglich aktuell sein und durch aussagekräftige, aktuelle Bilder und Videos, die einen Einblick in das Unternehmen liefern, ergänzt werden.
  2. Bei der Facebook-Karriereseite bedarf es einer guten Pflege durch Personalverantwortliche im Unternehmen, da der zeitnahe Dialog mit den Fans und die Aktualität der Beiträge für den Erfolg der Seite ausschlaggebend sind.
    (Quelle: K. Beyer, Recruiting im Web 2.0 – Eine empirische Untersuchung zur Wirkung von Karriereseiten im sozialen Netzwerk Facebook auf die Arbeitgeberattraktivität bei Hochschulstudenten)

Und wenn man sich so einige neue Pages anschaut, ist das vielen Unternehmen anscheinend nicht wirklich bewusst. Grund genug, einmal darauf hinzuweisen, dass die „Social Media Akademie“ gerade ein Social Media Konzept „verschenkt“. Im Rahmen des Lehrgangs „Social Media Manager“ sollen die Teilnehmer ein praxisnahes Social Media Konzept entwickeln. Dieses soll auf der Basis eines realen Briefings eines existenten Unternehmens erstellt werden. Das Briefing muss bis zum 28. März 2011 bei der Social Media Akademie eingereicht werden. Das fertige Konzept erhält das briefende Unternehmen dann ca. Mitte Juli 2011. Die Erstellung des Konzeptes erfolgt kostenlos durch die Lehrgangsteilnehmer. Na, das ist doch was!

Also, vielleicht sollte sich das eine oder andere Unternehmen ja drum bewerben? Wie wäre es bspw. mit der Bundeswehr, die jetzt mit einer nicht offiziellen Karriere-Page selber am Start ist? Immerhin sind 4,8 Millionen Euro für die Werbung für eine Mannschaftslaufbahn bei der Bundeswehr vorgesehen. Nach derzeitiger Planung entfallen laut Rheinischer Post 12,5 Prozent auf „Bild“, „Bild am Sonntag“ und „Bild“-Online. Laut beauftragter Agentur tummelt sich da wohl die Hauptzielgruppe. Na, gute Nacht Deutschland. Dann vielleicht doch eher Facebook? Immerhin tummeln sich da ja mittlerweile 16 Millionen Deutsche (in Bezug auf die Altersgruppenabdeckung haben gerade die Jungs von der Wollmilchsau interessante Zahlen zusammengestellt). Und wie man Facebook als Rekrutierungsplattform nutzen kann, demonstrieren ja mehr oder weniger eindrucksvoll die Amis… ;-)

Übrigens noch ein kleiner Ausblick auf einen in Kürze folgenden Artikel. Arbeitgeber-Pages auf Facebook haben tatsächlich eine Auswirkung auf die Arbeitgeber-Attraktivität. Mehr dazu demnächst hier an dieser Stelle!

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