Arbeitgeber auf Facebook: Dialog Fehlanzeige?

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 4 Minuten.

Die Anzahl der Karriere-Fanpages, also der Facebook-Pages, auf denen Unternehmer sich hoffnungsvollen Bewerbern als Arbeitgeber präsentieren, steigt stetig. Gerade sind Unternehmen wie Waldner, SAP oder auch Deloitte mit eigenen Karriere-Pages an den Start gegangen. Die Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang und auch wegen persönlicher Erfahrungen stellt, wie ernst meinen es diese Unternehmen eigentlich mit ihren Pages? Sind nicht einfach viele nur auf den Zug aufgesprungen (und springen weiter), weil „alle“ es machen? Oder ist wirklich eine klare Strategie erkennbar, werden Mitarbeiter „mitgenommen“, die sich auf Facebook auch über ihren Arbeitgeber mit anderen Fans austauschen, gibt die Kultur des Unternehmens überhaupt ein Engagement in Social Media her und vor allem: sind die notwendigen Ressourcen und das entsprechende Know-how vorhanden, um solch eine Arbeitgeberpräsenz zu pflegen?

Ich will es kurz machen. Es wird keinen überraschen (oder etwa doch?), aber von „echtem Social Media“ sind die meisten Unternehmen noch weit, weit entfernt. Auch wenn es die eine oder andere rühmliche Ausnahme gibt und man bei einigen Karriere-Pages deutlich merkt, dass man aus den Fehlern gelernt hat und es versteht, die Hausaufgaben zu machen.
Ich möchte betonen, dass ich nicht die einzelnen Posts/Kommentare hinsichtlich ihrer Qualität/ihres Inhalts untersucht, wohl aber ermittelt habe, wie oft bspw. Unternehmen welche Beiträge (Links, Statusmeldungen, Fotos, Videos) veröffentlichen (hierbei würde dann deutlich werden, dass die Karriere-Pages immer mehr zur Bewerberhotline mutieren – was nicht das schlechteste ist, da viele Arbeitgeber einen direkten Dialog/Kontakt über ihre Karriere-Website gar nicht ermöglichen und den Bewerber damit im Regen stehen lassen). Auch habe ich mir angeschaut, inwieweit User überhaupt die Möglichkeit haben, sich aktiv am Geschehen zu beteiligen, denn ob Sie es glauben oder nicht, es gibt tatsächlich Unternehmen, die unterbinden den aktiven Dialog auf der Pinnwand und führen Social Media damit ad absurdum. Aber selbst wenn die Wall für Beiträge freigeschaltet ist, heißt das noch lange nicht, dass sich die Fans dann voll mit Beiträgen aller Art einbringen können. Warum eigentlich? Teilweise ist es maximal möglich, einen Beitrag in Form einer Statusmeldung zu posten – Links, Fotos oder Videos zu teilen ist nicht unbedingt Standard. Im Gegenteil. Und schön ist es für die Fans einer solchen Seite, die sich ja auf einen Dialog mit dem potenziellen Arbeitgeber einlassen wollen, zu wissen, wer denn eigentlich die Köpfe „hinter“ der Seite sind.

Aus diesem Grund habe ich 68 69 (sorry, Charles!) Pages aus Österreich, Deutschland und der Schweiz in einem Zeitraum vom 5.01. bis zum 4.02.2011 untersucht, die mindestens 100 Fans haben und auch mindestens 30 Tage online waren. Dies sowohl unter Zuhilfenahme des großartigen Social Media Tracking-Tools aus dem Hause pemedia/pedigital, über das sich wirklich jede Facebook-Page bis ins Detail auswerten lässt und sich auch die Entwicklung mehrerer Pages über definierte Zeiträume vergleichen lässt, als auch über die gewissermaßen händische Auswertung, hier insbesondere der Userposts und der jeweiligen Kommentare des Seitenbetreibers. Aber natürlich verrät einem das Tool auch nicht, wer das Team hinter der Seite ist, welche Inhalte freigeschaltet sind oder welche Inhalte der User zu sehen bekommt, wenn er die Seite aufruft (also bspw. nur Inhalte des Unternehmens oder aber Inhalte von Unternehmen UND Fans, dies auf jeden Fall und unbedingt die richtige Variante).

Resultat der Auswertung ist zum Beispiel, dass lediglich auf 20 % (!!!) der Arbeitgeber-Pages das Team hinter der Seite vorgestellt wird, bei zwei der Seiten heißt es recht schwammig, dass die Seite von Azubis und Studenten betreut wird (wer genau?) und bei 78% findet man überhaupt keine Informationen darüber, wer eigentlich über das Unternehmen schreibt, bzw. den Dialog mit den Fans führt. Aber der scheint ohnehin nicht im Vordergrund zu stehen. Wird ja im Zeichen von Social Media auch total überbewertet.(wir erinnern uns: Im Mittelpunkt der Kommunikation steht der Mensch!). Oder wie erklären Sie sich, dass z. B. auf 5 Pages ein Dialog gar nicht möglich ist und ebenfalls auf 5 Pages nur die Einträge des Unternehmens auf einen Blick, nicht aber die der „Fans“; sichtbar sind? Freigeschaltet für alle Beiträge sind übrigens auch nur 57% der Pages. Funktioniert so der Dialog mit der Zielgruppe?

Schlussendlich spiegeln diese Ergebnisse mehr oder weniger die Ergebnisse der Studie von A. T. Kearney wider. Auch hier war man zur Erkenntnis gelangt, dass die Bemühungen der Unternehmen in Social Media wohl eher eine Einbahnstraße sind (somit den Begriff „Bemühungen“ also eigentlich gar nicht verdienen :-))

Mehr Erkenntnisse in Kürze hier auf dieser Plattform. Fragen? Gerne!

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