Über neue Karriere-Fanpages und Authentizität (wieder einmal) in Stellenanzeigen

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

So, nach längerer Zeit melde ich mich mal zurück. Ist es eigentlich irgend jemandem aufgefallen, dass ich mich nicht zu Wort gemeldet habe? Naja, ich hoffe doch. Und im Zweifelsfall auch mal hier gucken, da schreibe ich hin und wieder auch mal… Und während ständig eine neue Karriere-Fanpage nach der anderen das Licht der Welt erblickt (aktuell MAN mit einem sehr interessanten Ansatz – hier wird die Fanpage von einem Team in Deutschland, Dänemark und Brasilien (!) gepflegt. Das sorgt für Abwechslung und spricht die Mitarbeiter (und potenziellen Kandidaten) von MAN weltweit an. Da ist dann doch mal die Frage erlaubt, ob die Facebook-User in Brasilien und Dänemark genau so viel Angst vor der Verletzung der Privatsphäre haben). Auch Schott von der ebsch Seit ist nun seit etwas mehr als einer Woche online. Schade, dass man beide Fanpages nicht über die Facebook-Suche finden kann, wenn man „Karriere“ eingibt… Und schön auch der Name „mancareers“ – Achtung AGG! :-)). So, und während viele Unternehmen sich in Facebook tummeln und dort bemüht darum sind, besonders authentisch zu wirken, hat ein Unternehmen (ja, auch die haben eine Fanpage) vor einigen Wochen bewiesen, was ECHTE Authentizität in Bezug auf Jobanzeigen heißt. In der Anzeige von Jung von Matt/Neckar wird nun wirklich kein Blatt vor den Mund genommen. Nun kann man sich natürlich fragen, wie authentisch ist eigentlich authentisch und wie authentisch darf gutes Personalmarketing eigentlich sein. Eine Frage, die sich neulich schon mein Bloggerkollege Jo Diercks stellte (dem ich im Übrigen eine Antwort schuldig geblieben bin. Hier ist sie: Authentisches Personalmarketing oder meinetwegen auch Employer Branding sollte immer die Wahrheit zeigen. Macht ja keinen Sinn, irgend etwas vorzugaukeln, was gar nicht so ist, oder? Und einem Ingenieur, der in einem Unternehmen seine Entwicklerträume verwirklichen kann, dürfte es auf jeden Fall egal sein, ob er in einem Büro mit Blümchentapete arbeiten muss oder in einem Hightech-Büro. Hauptsache, er kann sich verwirklichen. Und was das Beispiel mit dem Date angeht: als ich meine Freundin kennen gelernt habe, habe ich mich eben nicht verstellt, sondern gleich von Anfang mein wahres Gesicht gezeigt. Sie hat die Chance gehabt, „nein“ zu sagen. Hat sie aber nicht. Das hat sie nun davon. Und das gilt eben auch für authentisches Employer Branding. Meine Meinung. So, schluss mit dem Exkurs).

Und eben diese Frage werden sich die Jungs von JvM/Neckar eben nicht gestellt haben, als sie die in meinen Augen authentischste Imageanzeige der Welt veröffentlicht haben. Schonungsloser und ehrlicher kann man die Arbeitswelt in Kreativagenturen wohl kaum auf den Punkt bringen (wahrscheinlich war der Texter tatsächlich gerade zugekokst, als er die Anzeige verfasste :-))

 

jvm ad - wie zugekokst muss man sein, um authentisch zu wirken?

jvm ad - wie zugekokst muss man sein, um authentisch zu wirken?

 

Aber warum nehmen sich dann vor dem Hintergrund der Authentizitätsdebatte nicht andere Unternehmen ein Beispiel? Zum Beispiel die Marketingagentur, die sich zu ihrer Hire & Fire-Mentalität offen bekennt, oder die Beratung, die schonungslos darstellt, dass sie ihre frisch von der Hochschule entlassenen Mitarbeiter zu einem Hungerlohn bezahlt und in Projekten mit 15-Stunden-Arbeitstagen verheizt und auch nicht mit hinterm Berg hält, dass sie eine unglaublich hohe Fluktuationsquote hat und die Projektmanager spätestens alle 1,5 Jahre wechseln? Oder der Textildiscounter, der die Mitarbeiter zu Dumpinglöhnen bezahlt, sie bespitzelt und sie im Winter aus Gründen der Sparsamkeit frieren lässt?

Ganz ehrlich, wären Arbeitgeber offener und würden ehrlich kommunzieren, wie es wirklich im Unternehmen zugeht, würden sich nur noch die passenden qualifizierten Kandidaten bewerben. Gut, zugegeben, dann würden sich wohl nur noch die wenigsten bewerben (die händeringend auf einen Job angewiesen sind, beispielsweise). Aber spätestens dann würden die Unternehmen merken, dass sie etwas an ihrer Unternehmenskultur ändern müssen (wobei – kann man bei so einem Gebaren eigentlich überhaupt noch von Kultur reden??).

Aber zurück zu JvM, die dann doch gar nicht so authentisch und kreativ sind, wie sie mit der Anzeige vorgeben. Schaut man auf die Website, enttäuscht einen eine langweilige, standardisierte Stellenanzeige.

 

jvm stellenanzeige - die realität sieht langweilig aus. hat sich was mit authentizität...

jvm stellenanzeige - die realität sieht langweilig aus. hat sich was mit authentizität...

 

Schade, mich würde schon interessieren, welchen Erfolg die Anzeige oben hatte. Wahrscheinlich war sie sogar erfolgreich und wenn man sich die Kommentare auf der Facebook-Page anschaut, scheinen sich die Kreativen von so etwas angezogen zu fühlen. Spätestens beim nächsten HR-Website-Projekt merken aber die Kunden, dass die Qualität dank zugekokstem Hirn auf der Strecke blieb und sich der Kreative an der Zielgruppe vorbei in realitätsfremden und nutzerunfreundlichen Sphären ausgetobt hat. In diesem Sinne, schönen Abend und viele Grüße an Jan in Düsseldorf!

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