Ein Schelm, wer Böses dabei denkt – Die Bayer Karriere-Website im Human Resources im Internet Ranking 2010 auf Platz 1

von Henner Knabenreich. Lesezeit: fast 5 Minuten.

Bevor es morgen für einen Kurztrip in die ewige Stadt geht, möchte ich meinen Lesern noch einen heiter beschwingten Artikel mit auf den Weg geben. Wie ja alle wissen, bin ich jemand, der den Wert und die Güte der Potentialpark-Rankings mehr als in Frage stellt. Und auch hier gerne noch einmal der Hinweis an alle Personaler: Ein guter Platz in diesem Ranking sagt nichts, aber auch gar nichts über die Güte einer Karriere-Website aus. Bisher war ich eher großer Fan der Jäger-Rankings „Human Resources im Internet“, welches gerade in Neuauflage erschienen ist. Herr Prof. Dr. Jäger hat damals neben dem Staufenbiel Institut das Thema Karriere-Website Check in Deutschland etabliert und dabei die iLogos-Studien adaptiert. Leider scheint aber auch dieses Ranking nicht wirklich objektiv zu sein, denn wie erklärt es sich sonst, dass die Karriere-Website von Bayer immer wieder unter den Top 3 erscheint? (Letztendlich liegt es wohl daran, dass hier – wie bei Potentialpark auch – nur eine quantitative Bewertung vorgenommen wird. Also ist ein Feature vorhanden – ja oder nein? und die Qualität oder die Ausprägung auf der Strecke bleibt). Und auch die Bertelsmann-Website war dort immer wieder zu finden. Ein Schelm wer Böses dabei denkt, wenn man sich einmal damit auseinander setzt, wer hinter der Konzeption und Umsetzung dieser Karriere-Websites steckt. Milch & Zucker. Und ein Geheimnis ist es nicht, dass hier seit Jahren sehr eng zusammengearbeitet wird. Die Ranking-Ergebnisse also bloßer Zufall? Laut Dr. Jäger ermöglicht „die klare Seitenstruktur“ des diesjährigen Gewinners des Human Resources im Internet-Rankings „eine schnelle und intuitive Bedienung. Außerdem zeichnet sich die Seite durch eine Reihe von Web 2.0-Angeboten und ein durchgängiges Design aus.“ Interessant dabei: Die Bayer HR-Website beruhte auch wie die Karriere-Website von Bertelsmann bis vor Kurzem noch auf dem CMS Beesite. Und viel hat sich da gegenüber den Vorjahren eigentlich nicht getan. Bis auf das „Andocken“ von Web 2-0 Features. Die Struktur und die Inhalte sind mehr oder minder identisch. Aber urteilen Sie selbst – ist der erste Platz im diesjährigen Human Resources im Internet-Ranking berechtigt?

Urteilen Sie selbst - sieht so eine klar strukturierte Oberfläche mit intuitiver Bedienung aus

Urteilen Sie selbst - sieht so eine klar strukturierte Oberfläche mit intuitiver Bedienung aus? Usability geht anders

Und? Was denken Sie? Sieht so eine klar strukturierte Oberfläche mit intuitiver Bedienung aus? Na?

Richtig, wohl kaum. Im Gegenteil, aufgrund der hier vorliegenden Linkwüsten findet man die Informationen hier eher schwerlich. Und wie ich es schon mal am Beispiel der Bertelsmann Karriere-Website gesagt habe, macht es keinen Sinn, sämtliche Web 2.0-Features mit aller Gewalt auf einer Website zu implementieren, nur um zu zeigen, dass man Up to date ist und jeden Trend mitmacht. Interessant im Übrigen, dass die Bayer Facebook-Page nur auf der Startseite verlinkt wird (das Social Plug-in dort aber aufgrund der gesamten Unübersichtlichkeit nicht ins Auge fällt), nicht aber auf zielgruppenrelevanten Unterseiten. In diesem Zusammenhang auch erwähnenswert: Bayer beschäftigt allein in Deutschland 36.700 Mitarbeiter (Stand 12/2009), die Fanpage hat Stand heute 1.881 Fans. Zum Vergleich: Die Fanpage der Deutschen Flugsicherung bspw. hat 1813 Fans. Bei weltweit rund 6.000 Mitarbeitern. Finde den Fehler :-) Sollte das vielleicht auch daran liegen, dass die Bayer-Fanpage eben nicht sonderlich prominent auf der Website promotet wird? Aber vielleicht möchte man die Fans aber auch nicht auf diese Weise generieren… Aber zurück zur Website. Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Was Bayer als Arbeitgeber von sich zu erzählen hat, ist schon bemerkenswert. Und in dieser Tiefe  – das gibt definitiv Pluspunkte. Aber die Frage ist doch auch, wie werden die Inhalte aufbereitet? Wie ist die Navigationssstruktur? Sind die Bildwelten konsistent? Wie ist die Tonalität der Texte? Und schaut man sich da einige Details an, wird schnell klar, dass hier noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen sind.

Ein paar Beispiele gefällig? Gerne. Wie würden Sie es als Bewerber finden,  wenn Sie als Berufseinsteiger beispielsweise Infos für Naturwissenschaftler suchen, dann auf die Berufserfahrenen-Seite verlinkt werden und auf einmal eine komplett andere Navigationsstruktur vorfinden? Und auch nicht auf den ersten Blick erkennen können, wo Sie sich befinden (Stichwort Bread Crumbs).

Der Klick unter Berufseinsteiger auf Naturwissenschaftler führt auf...

Der Klick unter Berufseinsteiger auf Naturwissenschaftler führt auf...

... Naturwissenschaftler im Bereich "Berufserfahrene". Der Nutzer landet auf anderer Seite und ist orientierungslos. Ist das eine klare Seitenstruktur, die intuitive Bedienung ermöglicht?

... Naturwissenschaftler im Bereich "Berufserfahrene". Der Nutzer landet auf anderer Seite und ist orientierungslos. Ist das eine klare Seitenstruktur, die intuitive Bedienung ermöglicht?

Oder wie finden Sie es, wenn Sie sich nach Klick innerhalb der deutschen Seite auf einmal im englischen Bereich befinden und auch nicht so ohne Weiteres wieder in den deutschen Bereich zurück finden? Apropos deutsch und englisch und Stichwort SEO. Dass die URL in englisch angegeben wird, dient nicht gerade einer guten Sichtbarkeit bei Google & Co. Auch die weitere Aufbereitung der Seiteninhalte in puncto SEO lässt zu wünschen übrig.

Unschön auch, dass auf der Seite sehr uneinheitliche Bildwelten eingesetzt werden. Das fängt schon bei den Headerbildern an, bei der die Bayer-Mitarbeiter in Kriegsbemalung in unterschiedlichen Bildausschnitten gezeigt werden. Apropos Kriegsbemalung: Hier bekommt Employer Branding eine ganz neue Bedeutung – im visuellen Sinne :-)

Absoluter Worst Case: Das eingesetzte Bewerbermanagementsystem ist von SAP – eins der in meinen Augen bewerberunfreundlichsten Systeme am Markt. Da mein Flieger in ein paar Stunden geht, hier nur ein paar Beispiele, die zeigen, dass so eine Website definitiv nicht den ersten Platz im Ranking verdient hat. Weitere schildere ich gerne auf Anfrage in einem persönlichen Beratungsgespräch.

So, lieber Herr Dr. Jäger, nun erklären Sie mir doch einmal, wie diese Website auf Platz 1 kommt. Vielen Dank und viele Grüße!

PS: Bevor ich es vergesse: Auf Platz 2 und 3 landeten die Karriere-Websites von BMW und Telekom. Das gesamte Ranking können Sie zum Preis von 128 Euro hier bestellen. Interesse zu wissen, wie Ihre Karriere-Website so dasteht? Kontaktieren Sie mich einfach!

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