Ausbildungsmarketing in Social Media am Beispiel Opel – Exklusivinterview mit Stephan und Stefan und Michael

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Vor einigen Wochen habe ich mich in einem Artikel mit dem Ausbildungsmarketing von Unternehmen auf Facebook beschäftigt und die Karriere- Ausbildungs-Fanpages von Opel, der HypoVereinsbank und Trumpf vorgestellt. Insbesondere die Fanpage von Opel hat mir sehr gut gefallen – vor allem aufgrund der Tatsache, dass da „echte“ Azubis die Fanpage betreuen. Zwar werden bei dieser Fanpage nicht alle möglichen Features genutzt (z. B. der Einsatz von FBML-Tabs), trotzdem zeigt diese Fanpage, mit wie wenig Mitteln es möglich ist, gute und einen echten Mehrwert bietende Informationen mit wenig Hilfsmitteln (Diskussionsforum, Notizen) aufzubereiten. Wie ich schon öfter sagte: Weniger ist manchmal mehr! Und auf den Inhalt kommt es an. :-)
Mittlerweile hat die Seite 261 Fans und aus Stephan und Stefan sind Stephan und Stefan und Yvonne geworden, die als Praktikantin die Seite seit Kurzem mitbetreut. Ich hatte das Glück, mit allen Beteiligten ein interessantes Interview zu führen und wäre auch sehr gerne am Samstag, den 4.9.2010 beim Tag des offenen Opels der offenen Tür mit dabei, aber leider hatte ich da schon einen Termin mit dem Kellermeister von Viu Manent aus Chile – und der ist nun mal nicht alle Tage in Deutschland. Wer aber die Gelegenheit haben sollte und in der Nähe von Rüsselsheim wohnt, sollte sich auf den Weg machen. Denn dort gibt’s nicht nur tolle Einblicke ins Unternehmen selbst, sondern auch auf die Ohren – unter anderem von Culcha Candela und Sunrise Avenue. So, aber genug abgeschweift, los geht’s mit dem Interview, dass ich mit Michael Schmidt (verantwortlich bei der Adam Opel GmbH für den Bereich Ausbildungsmarketing sowie Social Media im Ausbildungsbereich) Stephan, (Azubi ist im dualen Studiengang Systems Engineering, Mechatronik) und Stefan (ebenfalls Azubi im dualen Studiengang Systems Engineering, Mechatronik) zu den Themen Ausbildungsmarketing, Kampagnen in Social Media und Privatsphäre in Facebook führen durfte. Los geht’s!

Gruppenbild mit Dame: Das Team von Ausbildung @ Opel, Yvonne, Stephan, Stefan und Michael Schmidt

Gruppenbild mit Dame: Das Team von Ausbildung @ Opel, Yvonne, Stephan, Stefan und Michael Schmidt

personalmarketing2null: Wer ist bei Ausbildung @ Opel verantwortlich für die Inhalte/Themen?
Stephan: Hauptverantwortlich für die Facebook-Seite ist Herr Schmidt. Die Inhalte und Themen denken wir (Stefan & Stephan) uns aus.
personalmarketing2null: Sind es wirklich Stephan und Stefan, die da berichten?
Stefan: Ja es sind wirklich Stefan & Stephan die berichten. Die Berichte aus unserer Werkstatt sind authentisch und entsprechen dem realen Ausbildungsgeschehen. Die Berichte werden unzensiert gepostet.
Michael Schmidt: Wir haben deshalb nur die Vornamen gewählt, um die Privatsphäre zu gewährleisten, um „dienstliche“-Accounts von privaten Aktivitäten trennen zu können. Grundsätzlich screenen wir keine Accounts von unseren Azubis und Bewerbern.
personalmarketing2null: Wie kam es zu der Entscheidung, eine Fanpage einzurichten? Ist das ein von Azubis angestoßenes Projekt? Oder wer hatte die Idee?
Michael Schmidt: Im Rahmen einer Azubiumfrage kam es zum Thema, wie man das Ausbildungsmarketing verbessern kann. Vor den Azubis wurde unter anderem Facebook als Plattform vorgeschlagen. Diese Idee haben wir aufgegriffen, ausgearbeitet und zur Umsetzung gebracht.

Die sympathische Karriere-Fanpage Ausbildung @ Opel

Die sympathische Karriere-Fanpage Ausbildung @ Opel

personalmarketing2null: Wer soll mit der Fanpage erreicht werden?
Michael Schmidt: Mit der Fanpage wollen wir auf unsere Ausbildung aufmerksam machen und potenzielle neue Azubis und Azubinen ansprechen. Jedoch ist sie für Jung und Alt gedacht.
personalmarketing2null: Was sind die Ziele der Fanpage?
Stephan: Zu der oben genannten Marketing-Aktivität für neue Auszubildende kommt noch die Absicht, einen Einblick in die Berufsausbildung von Opel zu ermöglichen. Dies machen wir, um allgemeines Interesse für unsere Ausbildungsstätte zu wecken.
personalmarketing2null: Wie wird die Fanpage angenommen, sowohl intern als auch extern?
Stefan: Im ersten Schritt mussten verschiedene Instanzen davon überzeugt werden eine solche Fanpage zu betreiben. Mittlerweile ist die Facebook- Seite ein fester Bestandteil unserer Ausbildungsmarketingaktivitäten. Hierzu haben wir derzeit auch eine Studentin, Yvonne, (ja, auch sie gibt es :-)) beschäftigt.
Stephan: Außerhalb des Unternehmens wurde unsere Seite sehr positiv aufgenommen, wie wir von einigen Freunden und ehemaligen Mitarbeitern erfahren haben. Oftmals waren sie überrascht, dass Opel sich nun auch mit der Ausbildung in Facebook, als ein anderes Werbemedium, zeigt. Viele konnten sich zudem mit unseren geposteten Situationen, wie zum Beispiel die Inbetriebnahme, identifizieren.
personalmarketing2null: Wie werten Sie die Bedenken von Usern gegenüber Arbeitgeberpräsenzen im Social-Media-Bereich?
Michael Schmidt: Grundsätzlich respektieren wir die Privatsphäre der User unserer Seite. Die Seite dient dem Zweck, über Ausbildung und deren Möglichkeiten bei Opel zu informieren. Die Bedenken als solches sind aber trotzdem nachvollziehbar. Wie schon zuvor erwähnt, arbeiten auch Stefan und Stephan nicht mit Ihren privaten Accounts auf unserer Seite. Unabhängig von dem „like-it“-Klick auf einer Arbeitgeberpräsenz besteht trotzdem die Möglichkeit, einen potenziellen Bewerber zu screenen, wenngleich das rechtlich bedenklich ist. Wir distanzieren uns hiervon, die Opel-Ausbildung greift auf diese Methoden nicht zurück. Das wir das nicht tun, werden wir demnächst auf unserer Seite thematisieren.
personalmarketing2null: Was ist euer Resümée? Eignet sich eine Fanpage als Instrument des Ausbildungsmarketings?
Stephan & Stefan: Ausbildungsmarketing auf Facebook ist eine sehr zeit- und arbeitsintensive Angelegenheit. Ein sofortiger Werbeeffekt ist fast nicht vorhanden, denn die Seite entwickelt sich erst im Laufe der Zeit und mit steigender Fananzahl. Nicht nur die „Fan-Zahlen“ sind unserer Meinung nach entscheidend, sondern auch die Anzahl der Zugriffe.
Michael Schmidt: Hier gibt es deutliche Unterschiede. Somit ist auf Beharrlichkeit und Kontinuität im Entstehungsprozess und den Anfängen der Seite zu achten.
personalmarketing2null: Ja, was die Fanzahlen angeht, so sage ich immer wieder: Qualität geht vor Quantität. Aber einige wollen es einfach nicht begreifen… Warum gibt es nur eine Ausbildungsfanpage und nicht einen geschlossenen Personalmarketingauftritt von Opel?
Michael Schmidt: Opel ist ohnehin mit verschiedenen Seiten auf Facebook aktiv (Opel, Opel Deutschland). Im Personalbereich leisten wir Pionierarbeit. Wann der komplette Personalbereich von Opel einen Auftritt in Facebook hat, können wir leider nicht sagen.
personalmarketing2null: Was sind eure Empfehlungen für Unternehmen, die Facebook auch fürs Ausbildungsmarketing einsetzen wollen?
Stephan & Stefan: Der Ersteller der Facebook-Seite sollte sich über ein Grundkonzept seiner Page im Klaren sein. Das heißt, er sollte sich ein Kernthema oder eine kleine Gruppe von Auszubildenden suchen. Er benötigt quasi einen „Aufhänger“ für seine Facebook-Seite. Bei uns ist es zum Beispiel unser EVA-Projekt aus dem zweiten Lehrjahr. Ausbildungsseiten ohne jegliches Thema wirken auf einen potenziellen Leser unserer Meinung nach eher uninteressant.

Ausbildung @ Opel: Diskussionsforum als Infoportal "Meine EVA und ich"

Ausbildung @ Opel: Diskussionsforum als Infoportal "Meine EVA und ich"

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Zeitaufwand. Am Anfang besteht er hauptsächlich im Organisieren und Aufbauen der Page und etwaiges „Hereinarbeiten“ in Facebook. Sobald diese Phase jedoch vorbei ist, kommt je nach Anklang der Seite eine mehr oder weniger große Fragen- und Anregungsflut auf den Betreiber zu. Es kann also auch schnell zu einem „Überheben“ im zeitlichen Sinne kommen.
Nach dem „Go Life“ kann ein weiteres Problem auftauchen. Leute die daran Spaß finden, eine Seite mit ihren Beiträgen zu stören. Man sollte sich zuvor im Klaren über die Umgangsweise mit solchen Personen sein. Sollte man ihre Beiträge einfach löschen? Oder sollte man sie vorher anschreiben und darum bitten ihren Post selbst zu entfernen?
Der Erfolg durch eine Facebook- Seite stellt sich erst nach längerer Zeit ein. Somit sollte nicht erwartet werden, dass sich immer jemand auf etwas neu eingestelltes meldet oder äußert. Also nie verzweifeln und immer wie schon oben genannt: dran bleiben!
personalmarketing2null: Da kann ich euch in allen Punkten nur zustimmen! Ich finde euer Projekt klasse und dass es echten Vorbildcharakter hat. Vielen Dank fürs Interview! Weiterhin viel Erfolg damit und viel Spaß beim Tag  der offenen Tür! Auf das T-Shirt bin ich schon ein wenig neidisch!

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