Weniger ist manchmal mehr – die neuen Karriere-Fanpages von REWE Group und Unilever

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Innerhalb weniger Tage sind jetzt gleich zwei neue Karriere-Fanpages an den Start gegangen – naja, ich muss mich korrigieren, eigentlich sind es gleich vier drei, vorausgesetzt man zählt die Fanpages von DATEV und CapGemini mit. Nachdem sich die Fanpages seit dem Zeitpunkt meiner Untersuchung mehr als verdoppelt haben, wird es mal wieder Zeit für eine Bestandsaufnahme, um zu schauen, was die Unternehmen (oder die beauftragten Agenturen) seit dem „gelernt“ haben. Denn Agenturgewächse sind beides. Während die REWE Karriere-Fanpage von den erfahrenen Machern von tmp konzipiert wurde, trägt die stark amerikanisierte Fanpage von Unilever den Stempel von Köhler aus Düsseldorf, die sich nun auch mal an Social Media Themen versuchen.

Verwunderlich finde ich, dass bei beide Unternehmen die Fanpages mit nur sehr wenig Fans an den Start gegangen sind. Da sowohl die REWE Group als auch Unilever über eine beträchtliche Mitarbeiterzahl verfügt (wovon der eine oder andere mit Sicherheit bei Facebook sein dürfte), wäre es ein Einfaches, vor dem offiziellen Launch eine kritische Masse zu aktivieren, um sich auf diese Weise beispielsweise die begehrte Vanity-URL zu sichern und diese gezielt zu kommunizieren. Insbesondere bei der opulenten, stark überfrachteten Fanpage von Unilever wirkte das Ganze schon ein wenig lächerlich, als die Fanpage an den Start ging. Dass diese Page innerhalb so kurzer Zeit an Fans gewann, lag wohl auch an dem Engagement des von mir geschätzten Jo Diercks, der in seinem Blog über die Fanpage berichtete. Dass so etwas gang und gäbe ist bei kleinen Mittelständlern, kann ich durchaus nachvollziehen, da sie oftmals nicht über die kritische Masse verfügen, bereits zu Anfang eine entsprechende Fan-Anzahl zu generieren (wobei die Work Performance Fanpage immer wieder als hervorragendes Beispiel dafür herhalten kann, dass es eben doch anders geht – andere, beispielsweise Rosen RTRC (Zitat: „Wo die Fans bleiben? Ich hoffe, es werden mehr.“) haben da durchaus Nachholbedarf). Gut, aber zurück zu den beiden Fanpages.

Eine gute Fanpage macht eben nicht unbedingt irgendwelche blinkenden flashy Apps aus, entscheidend ist vielmehr die Authentizität der Page (auch wenn gewisse Leute diesen Begriff nicht mehr hören wollen und ihn als Buzzword und Marketing-Worthülse sehen). Und die wird im Wesentlichen durch den Dialog auf der Fanpage transportiert und durch entsprechendes Bild- (und ggf. Video-)Material unterstrichen. Da ist es doch richtig erfrischend, dass Fanpages wie die von buw oder intech ohne jeglichen Glamour daher kommen, aber aufgrund des minimalistischen Charakters eben eines sind – authentisch (wobei die Fanpage der buw Unternehmensgruppe allerdings keine klassische Karriere-Fanpage ist, die sich gezielt an potenzielle Kandidaten wendet. Dennoch bietet sie potenziellen Kandidaten interessante Einblicke ins Unternehmen, weil hier sehr ungezwungen über Aktivitäten der buw-Mitarbeiter berichtet wird).

Schauen wir uns also diesbezüglich einmal beide Fanpages an. Ich erwähne noch mal, dass beide Fanpages gerade frisch aus der Taufe gehoben wurden, viel sich über Dialog also noch nicht sagen lässt. Dennoch ist die Fanpage der REWE Group schon mit deutlich mehr Leben gefüllt, als die der gigantischen, aufgepumpten, glamourösen Unilever-Page. Allerdings muss man einschränkend erwähnen (und das tue ich immer, immer wieder gerne – irgendwann werde ich bestimmt erhört :-) ), dass es nicht ausreicht, einfach „nur mal eben“ Jobs – und dann womöglich per Feed – zu posten, nett anteasern ist doch das Mindeste!
Während die REWE-Group dem User mit dem Zukunftsmixer (warum heißt der Tab eigentlich REWE-Group? Selbsterklärend ist das nicht!) eine (leider etwas langsam ladende) Applikation an die Hand gibt, in der man spielerisch die einzelnen Zielgruppen erkunden kann,

Der REWE-Zukunftsmixer

Der REWE-Zukunftsmixer

konnte man sich bei Unilever (oder bei Köhler :-)) wohl nicht entscheiden, was man denn nun machen soll und hat gleich drei FBML-Seiten mit bunten, glitzernden, schillernden Bildchen gefüllt, so dass man sich gleich erdrückt fühlt. Was mich auch wundert: während bei einem Unternehmen eigentlich immer der Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen sollte, könnte man den Eindruck haben, dass bei Unilever wohl eher tolle Gebäude im Mittelpunkt stehen und der Mensch dort wohl eher zweitrangig ist (diesen Eindruck erweckt zumindest die Fanpage).

Der Mensch im Mittelpunkt - Fehlanzeige

Der Mensch im Mittelpunkt - Fehlanzeige

Und wie sieht es mit den Informationen aus? Die sind da. Bei dem einen hübsch und übersichtlich angeordnet, mit intelligenter Weiterleitung auf die jeweiligen Karriereseite, bei dem anderen überbordend, unübersichtlich und wenig strukturiert.

Textwüste auf dem Infotab der Unileverpage

Textwüste auf dem Infotab der Unileverpage

Leider wird auf beiden Fanpages Wesentliches versäumt. Beispielsweise, bereits in der Infobox wesentliche Schlagwörter und die URL der Karriere-Website zu kommunizieren (Stichwort SEO) oder einen Namen zu wählen, der aufgrund des Unterstrichs mit Sicherheit nicht in den Suchergebnissen auftaucht. Auch die Logogestaltung kann gegen den Rest der Unilever-Fanpage nicht anstinken (wir erinnern uns: 200 x 600 Pixel stellt Facebook uns zur Verfügung – warum also geizen und nur ein „billiges“ Firmenlogo platzieren? Letztendlich hätte sich insbesondere Unilever also mindestens zwei der FBML-Tabs sparen, die Informationen besser und zielgerichteter aufbereiten und mit weniger Opulenz glänzen können. Und den Menschen mehr in den Mittelpunkt rücken sollen. Zugegeben, die Unilever-Häuser sind architektonisch teilweise recht beeindruckend – aber ist das der richtige Ansatz??

Was übrigens auch nicht nachzuvollziehen ist: Warum findet weder auf der REWE– noch auf der Unilever-Karriere-Website eine Weiterleitung auf die Fanpage statt? Hier werden wertvolle Potenziale verschenkt! Während der Auftritt der REWE-Group wenigstens auf Fanpage und Karriere-Website in sich stimmig ist, erlebt der potenzielle Kandidat bei Unilever sein „blaues“ Wunder. Demjenigen, der sich als potenzieller Kandidat von der Fanpage auf die Karriere-Website durchklickt, wird vom Design der Website enttäuscht sein (oder aber begeistert, weil die Website deutlich ruhiger rüberkommt). Ein bisschen mehr Konsistenz täte hier gut.

Keine Konsistenz - der Karriere-Auftritt von Unilever

Keine Konsistenz - der Karriere-Auftritt von Unilever

Aber leider lässt sich das recht häufig beobachten: dass bei der Konzeption von Karriere-Fanpages der eigentliche Unternehmensauftritt außen vor gelassen wird und man sich jenseits des vorherrschenden Corporate Designs bewegt. Ein absolutes No go, darf man den Social Media Auftritt doch nicht losgelöst vom Rest des Ganzen sehen, sondern muss ihn immer als Gesamtkonzept betrachten…

Wie schon der Titel sagt: Weniger ist manchmal mehr. Und das gilt insbesondere im Fall der Unilever-Fanpage, die einfach zu überfrachtet ist und dem User aufgrund der Unübersichtlichkeit keinen wirklichen Mehrwert bietet und eher abschreckend wirkt. Zumal die Erwartungshaltung des Users aufs bitterste enttäuscht wird, wenn er auf die Karriere-Website gelangt… Apropos Erwartungshaltung: Nach meiner Untersuchung zur Nutzung von Fanpages wünschen sich 55 % der Fans Informationen zu aktuellen Stellenangeboten. Die sind leider aber bei beiden Fehlanzeige. Im Übrigen wollen 68 % authentische Einblicke ins Unternehmen. Ich bin gespannt, wie die Umsetzung auf den Fanpages gelingt.

Es heißt also, am Ball zu bleiben. Im Übrigen, eine Übersicht aller aktuellen Karriere-Fanpages aus dem DACH-Raum gibt’s auf der ersten und einzigen :-) Fanpage zu Karriere-Fanpages. Einfach Fan werden und auf dem Laufenden bleiben. Und wenn Sie wissen wollen, wie Sie eine gute, erfolgreiche und zielgruppenorientierte Karriere-Fanpage gestalten – sprechen Sie mich einfach an!
In diesem Sinne, gute Nacht und Gruß aus dem idyllischen Gummersbach!

Like This!

Suche

Ihr wart ein großartiges Publikum! Vielen Dank!

Keinen Artikel mehr verpassen?

Kategorien

Arbeitgeber Ausbildungsmarketing Authentizität Bewerber Candidate Experience employer branding Facebook Fachkräftemangel Karriere-Fanpage Karriere-Page Karriere-Website Karriere-Website-Check Karriereseiten kununu Personalmarketing recruiting Social Media Social Media Personalmarketing Stellenanzeige Stellenanzeigen Studie twitter Xing Youtube Zielgruppe

Archive