Karriere-Fanpages auf Facebook – Haben die Unternehmen nichts dazu gelernt?

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 7 Minuten.

Während momentan fast kein Tag vergeht, an dem nicht eine neue Karriere-Fanpage (oder auch Recruiting- bzw. Career-Fanpage) kommuniziert wird (aktuell L’Oreal Deutschland und Tognum) und es mittlerweile eine interessante App gibt, die die Entwicklung der Fanzahlen in Echtzeit anzeigt (übrigens auf Basis der Daten der ersten Fanpage zu Karriere-Fanpages), stelle ich mit gewissem Befremden fest, dass immer noch Fanpages an den Start gehen, die nicht den möglichen Standards genügen. Dabei ist es im Übrigen unabhängig davon, ob die Fanpage für teures Geld von einer Agentur programmiert wurde oder die Fanpage in „Heimarbeit“ von engagierten Mitarbeitern des Unternehmens selbst erstellt wurde. Im Gegenteil: Manchmal beweisen die selbst kreierten Fanpages von Mittelständlern mehr Know-how und Kreativität als die von vermeintlichen „Profis“ erstellten.

Da es immer noch einen solchen Missstand gibt, habe ich hier noch einmal die häufigsten Fehler aufgeführt:

  • Fanpagename ohne Keyword
    An sich nicht nachzuvollziehen, werden immer noch Namen für die Seite und die URL vergeben, die keinen Aufschluss über den Inhalt der Fanpage vermitteln. Eine Suche über „Karriere“ oder andere Keywords (z. B. Ausbildung) listet nur die wenigsten deutschsprachigen Karriere-Fanpages auf; bei einer Suche über „Career/s“, „Jobs“ verschwinden die deutschen Fanpages in der Masse der englischsprachigen Pages. Außerdem ist es entscheidend, das Keyword alleinstehend zu verwenden. Also bspw. XY Karriere und nicht XYkarriere. Das Gleiche gilt für die URL. Hier müssen Unternehmensname und Keyword (durch einen Punkt) voneinander getrennt sein.
  • Keine einprägsame URL
    Darüber hinaus wird oftmals versäumt (oder man weiß es nicht), die URL bei mehr als 25 Fans anzupassen und einen einfach zu kommunizierenden Namen zu wählen (Stichwort Signatur, Printmaterial, Messeauftritt etc.). Sie haben schon eine URL vergeben, ärgern sich aber über den Namen (oder auch über den Namen der Fanpage, weil er keine relevanten Keywords enthält)? Pech gehabt – einen einmal vergebenen Namen kann man leider nicht ändern. Also gut überlegen, wenn es um die Namensgebung geht. Ansonsten haben Sie unter Umständen eine Fanpage mit einem Namen wie „Henner Knabenreich – Spezialist für Online-Personalmarketing“ – oder etwas ähnlich Unglückliches :-)
  • Logogröße wird nicht genutzt
    Offensichtlich hat sich auch immer noch nicht herum gesprochen, dass ich bei der Erstellung einer Fanpage eine Fläche von 200 x 600 Pixel zur Verfügung habe. Absolut unverständlich, dass Unternehmen (bzw. deren für teures Geld eingekauften Agenturen) patzen und die Unternehmensbotschaft auf winzige Logos reduzieren.
  • Keine Nutzung des Infofeldes unterhalb des Logos
    Immer noch wird das Infofeld unterhalb des Logos nicht genutzt. Hier habe ich die Möglichkeit, meine Botschaft und die Inhalte (bitte keywordbasiert) meiner Fanpage zu kommunizieren und mit der Karriere-Website zu verlinken.
  • Mangelnde Nutzung des Infotabs
    Meist nicht genutzt: Die Potenziale des Infotabs. Hier besteht die Möglichkeit, dem Fan erste Informationen über Unternehmen, Einstiegsmöglichkeiten und Karriereperspektiven mitzuteilen sowie die Karriere-Website, bestehende Twitter-Accounts, Blogs etc. zu verlinken. Auf jeden Fall weitaus mehr als nur die Adresse und die Telefonnummer!
  • Nicht eindeutig benannte Tabs
    Leider gibt es immer wieder Fanpages, auf denen die verwendeten FBML-Tabs nicht erkennen lassen, welche Inhalte sich dort verbergen. Auch hier habe ich nur eine begrenzte Breite zur Verfügung, die Beschriftung sollte so gewählt werden, dass sie in voller Länge zu lesen ist. Also bspw. kein „Karriere bei XY“ sondern nur „Karriere“. Hier sind oftmals Kreativität und Synonymwörterbücher gefragt :-)
  • Überflüssige Tabs werden nicht ausgeblendet
    Auch immer noch Standard: Tabs, die nicht ausgeblendet werden, obwohl sie keine relevanten Inhalte bieten. Nicht selten findet man Tabs wie bspw. „Rezensionen“ oder „Felder“. Warum diese Tabs anbieten, wenn sie keine Informationen enthalten? Wie bei einer Karriere-Website auch, hat Usability bei einer Facebook-Fanpage einen hohen Stellenwert. Eine gute Nachricht für alle, die diesen Hinweis kontinuierlich ignorieren: Der „Felder“-Tab wird ab 23. August von Facebook automatisch ausgeblendet.
  • Keine zielgruppenorientierten Dialoge
    Leider auch kein Einzelfall: Postings die von der Tonalität nicht die anvisierte Zielgruppe ansprechen.
  • Kein Aufschluss über angesprochene Zielgruppe
    Sofern diese denn überhaupt klar kommuniziert wird. Auf einem Großteil der Fanpages kann man sich wirklich die Frage stellen, wer denn von den Inhalten eigentlich angesprochen werden soll. Azubis? Absolventen? Berater? Ingenieure? Wiwis? Geisteswissenschaftler? Studenten?
  • Keine Jobangebote
    Auf einer Karriere-Fanpage erwarten die Fans auch aktuelle Stellenangebote. Auch hier sucht man auf vielen Fanpages vergeblich. Und im Zweifelsfall: Wenn ich keine aufwendige App implementieren möchte oder eine Schnittstelle zur Jobdatenbank aus was für Gründen auch immer nicht möglich ist – warum dann nicht einen FBML-Tab mit „Jobs“ erstellen, diese kurz anteasern und auf die Karriere-Website oder auf den Notizen-Tab verlinken (der eignet sich wunderbar für das Einstellen von Jobs und bietet den Vorteil der „eingebauten“ Viralität. Denn meine Notizen kann ich direkt über den „Teilen“-Button mit meinen Freunden teilen und via RSS abonnieren.
  • Nur statische Posts
    Unglaublich, aber wahr: Immer noch gibt es Unternehmen, die das dialogorientierte Prinzip von Facebook nicht verstanden haben und einfach via Tweetdeck oder RSS oder Ähnliches einfach nur statische Meldungen posten (und sich dann wundern, dass kein Feedback von den Fans kommt).
  • Kein Eingehen auf Posts/Kommentare
    Auch das ist ein weit verbreiteter „Standard“. Da hat man es geschafft und eine stolze Fananzahl um sich versammelt und dann das: Ein Fan kommentiert einen Post oder postet selbst etwas. Wenn ich meine Fans ganz schnell wieder vergraulen will und meine Karriere-Fanpage für andere unattraktiv machen will, antworte ich einfach nicht darauf. Wie blöd, sagen Sie? Oh ja. Aber leider weit verbreitete Praxis. Wenn ich potenziellen Kandidaten eine Plattform zum Dialog biete, muss ich mich diesem auch stellen und sollte spätestens innerhalb von 24 Stunden auf die Meldung reagieren.
  • Starten der Page ohne kritische Masse
    Auch das ist die unglaubliche Realität: Da startet eine Karriere-Fanpage mit großem Brimborium, man hat mehrere Tausend Euro in das Projekt investiert und weist nicht mal die kritische Menge von mindestens 25 Fans auf, um die Page entsprechend werbewirksam kommunizieren zu können? Also, bevor es mit der Pressemeldung an die Menge geht: Fans generieren! Wie das geht? Nun, bspw. die Mitarbeiter des Unternehmens auf die Fanpage einladen, die Fanpage an Freunde empfehlen etc.
  • Sperren der Wall für Kommentare
    Ein weiteres Beispiel für ein falsches Verständnis von Social Media: Das Sperren der Wall für Posts von Fans, bzw. eine Voreinstellung der Wall, dass nur die Posts des Unternehmens angezeigt werden. Angst vor kritischen Beiträgen der Fans? Dann sollten Sie Ihre Fanpage schleunigst schließen und sich in Ihre Trutzburg zurückziehen. Social Media = Mitmachweb. Und mitmachen kann nur der, der eine Möglichkeit dazu hat. Sonst funktioniert das nicht!
  • Nichteinhaltung des CD
    Die Karriere-Fanpage ist nicht losgelöst von anderen Employer Branding oder Personalmarketingmaßnahmen zu sehen. Sie ist Bestandteil eines Gesamtkonzeptes. Und da gibt’s in der Regel einen entsprechenden konsistenten Auftritt (man nennt das wohl auch CD :-)). Und diesen sollte man auch auf der Fanpage erkennen!
  • Verzicht auf relevante audiovisuelle Inhalte
    Gern vergessen: Authentische Einblicke ins Unternehmen via Bild und Video. Und bitte: Relevant ist das Stichwort!
  • Fehlende Informationen zu Einstiegsmöglichkeiten
    So wie es fehlende Infos zu den gesuchten Zielgruppen gibt, fehlen meist Infos zu Einstiegsmöglichkeiten.
  • Fehlende Verlinkung zur/von der Karriere-Website
    Das ist auch unglaublich: Da wird eine Karriere-Fanpage gelauncht und dann fragt man sich, wie man an die begehrten Fans kommt. Es wird mitunter in aufwendige Ad Kampagnen investiert, aber das Naheliegendste vergessen: Ein Social Plug-in oder zumindest eine prominente Verlinkung zur Karriere-Fanpage auf der Karriere-Website an prominenter Stelle (und nicht erst auf einer Unterseite, die im Zweifelsfall gar nicht aufgerufen wird). Umgekehrt ist es im Rahmen der Traffic-Generierung natürlich auch wichtig, die Karriere-Website von der Fanpage aus zu verlinken. Ist denn das so schwer??
  • Statusmeldungen in zu hohen Zeitabständen
    Und dann gibt’s da die Fanpages, auf denen maximal einmal in der Woche (wenn überhaupt) gepostet wird. So geht’s nicht. Der regelmäßige Dialog ist gefragt. Zuviele Statusupdates sind übrigens das andere Extrem. Sie wollen, dass sich Ihre Fans entnervt von Ihnen abwenden oder Ihre Postings auf ihrer Wall ausblenden? Prima, dann sollten Sie mindestens stündlich posten und das 20 Stunden am Tag. Natürlich nicht, das wirkt schnell wie Spam!
  • Fehlende Titel-Attribute bei Bild/Video
    Sie stellen Ihre Fans gerne vor ein Rätsel und lieben Quizzes? Super, dann vergessen Sie einfach, dass Sie sämtliche eingestellten Fotos und Videos kommentieren und dem User Informationen an die Hand geben, was sich hinter dem Bild oder dem Video verbirgt :-) Sie wollen Ihren Usern das Leben einfach machen und Sie über die Inhalte der audiovisuellen Inhalten informieren? Dann nutzen Sie die Kommentarfunktion – bei jedem Bild (Titel-Attribut). Diese Informationen werden dann bei Mouseover angezeigt. Und legen Sie Fotoalben mit „sprechenden“ Namen an. Die Fans werden es Ihnen danken!
  • Fehlender Einsatz von Employee Referral Programmen
    Leider haben bisher nur wenige Unternehmen den Nutzen und die Möglichkeiten von Employee Referral Programmen erkannt und nutzen diese sinnvollen Apps auf Facebook. In puncto Viralität von Jobangeboten und der Empfehlung von passenden „Kollegen“ die Kür!

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellen aber die häufigsten „No-gos“ dar. Da wir ja von Mitmachweb sprechen, sind die eine Karriere-Fanpage betreibenden Unternehmen nun aufgefordert, das oben gesagte umzusetzen :-) Natürlich werden auch Ergänzungen und Kommentare gerne gesehen!

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